Da genau das gerade bei mir passiert ist, dachte ich mir, dass es nicht nur mir so gehen kann. Vorhin habe ich mir noch gedacht: So, jetzt schreibst du dann noch diese und jene Sache und dann kommt noch das letzte Kapitel wo dann alles dies und das passiert. Tja. Pustekuchen. Eine meiner Figuren hat nämlich beschlossen, dass sie einen ganz blöden Kommentar von sich geben muss. Daraufhin hat die nächste Figur beschlossen, dass sie etwas ändern muss. Ja… und jetzt passiert im nächsten Kapitel erstmal nichts, was mit dem eigentlich Plan zu tun gehabt hat. Und das nur, weil sich eine Figur selbstständig gemacht hat. Oder in dem Fall zwei.

Aber warum passiert sowas? Und die nicht Schreiber unter euch werden sich jetzt fragen: WIE kann das überhaupt passieren? Immerhin ist es doch der Autor, der die Wörter tippt. Da kann eine Figur doch unmöglich ein Eigenleben entwickeln. Ich werde hier versuchen, eine Antwort für euch auf diese Fragen zu finden.

Warum passiert sowas?

Man schreibt so vor sich hin und ist gerade komplett im Flow. Die Figuren unterhalten sich und reagieren aufeinander. Und weil jede Figur natürlich bestimmte Charaktereigenschaften hat, reagiert jede ein bisschen anders. Durch diese Tatsache passiert es, dass sich eine Figur selbstständig machen kann. Hier mal ein Beispiel:

Figur A hat ein Bild gezeichnet, das ziemlich schlecht ist, und zeigt es voller Stolz Figur B und möchte nun wissen, was B davon hält. Es gibt viele Möglichkeiten, wie B jetzt reagieren könnte.

„Wow, du hast ja richtig Talent!“

„Mir gefällt es schon, aber ich glaube du kannst es noch besser.“

„Sowas hässliches hab ich ja noch nie gesehen!“

„Also ich kann viel besser malen als du!“

„Du solltest vielleicht noch etwas üben, bis du sowas Leuten zeigst.“

Die Liste ist endlos. Und je nachdem was für eine Person B ist, wird er entsprechend reagieren (müssen). Wenn er die ganze Zeit nach einer Möglichkeit sucht, A näher zu kommen, wird er vermutlich ihr Bild nicht in den Dreck ziehen. Wenn er grundsätzlich immer seine Meinung sagt, wird er das auch hier tun. Und genauso ist es auch mit den Figuren in unseren Geschichten. Sie müssen plötzlich dementsprechend reagieren, um in ihrer Rolle zu bleiben und glaubwürdig zu sein. Natürlich kann sich eine Person weiter entwickeln. Aber das funktioniert nicht innerhalb einer halben Stunde, sondern ist ein längerer Prozess.

Wie passiert sowas?

Sicherlich gibt es hier mehrere Möglichkeiten. Mein Problem heißt Flow. Wenn ich im Schreibfluss bin, hämmere ich die Wörter nur so in meine Tastatur. Manchmal entstehen dabei lustige Wortwechsel (so wie heute) und schon ist es passiert. Eine der Figuren findet das nicht lustig. Jetzt müssen wiederum die anderen Figuren entsprechend reagieren. Und dann führt oft das eine zum anderen und man hat einen zweiten Handlungsstrang, um den man sich nun auch kümmern muss. Mir persönlich fällt das auch immer erst auf, wenn das alles in Stein gemeißelt ist. Also nicht wortwörtlich, sondern wenn ich die Szene und die darauffolgende komplett fertig habe. Und löschen möchte ich es dann auch wiederum nicht. Immerhin wirken meine Figuren dadurch ja authentisch, wenn sie so reagieren, wie ich ihr Charakter nun mal ist.

Manchmal macht sich auch nicht nur eine Figur selbstständig, sondern mehrere. Dann wird das ganze auch etwas komplizierter und man kann nur hoffen, dass man eine möglichst einfache Möglichkeit findet wieder zum Hauptstrang zurückzukehren.

Warum ist es gut, wenn sich eine Figur selbstständig macht?

Ich glaube mittlerweile, dass sich eine Figur nicht grundlos selbstständig macht. Meistens liegt es an Andeutungen, die man bereits im vorangegangen Text gemacht hat. Beim oberen Beispiel wäre es zum Beispiel die Sache, dass B schon länger heimlich in A verliebt ist. Natürlich wird er dann sagen, dass ihm das Bild gefällt. Wäre ja blöd, wenn nicht. Wenn jetzt aber A glaubt, dass ihre Bilder, die sie mit soviel Leidenschaft malt, richtig toll sind, kündigt sie vielleicht ohne nachzudenken ihren Job, um Künstlerin zu werden.
So etwas kann die Story erheblich verändern. Wenn man es zu lässt. Vielleicht taucht B ja gerade noch rechtzeitig auf, um sie aufzuhalten und gesteht ihr ihre Liebe?

Auch in meinem Fall lag es an einer Andeutung, die ich in den ersten Kapiteln gemacht hatte. Durch einen Wortwechsel, wurde meine Figur sozusagen an ihr Problem erinnert. Natürlich haben alle anwesenden Freunde sofort versprochen der Figur zu helfen. Ich habe mittlerweile auch schon einen Plan, wie ich das möglichst gut einbauen kann.

Wäre die Figur jetzt nicht nochmal auf ihr Problem aufmerksam gemacht worden (auch wenn die Aussage der anderen Figur nichts mit ihr zu tun gehabt hatte), wäre dadurch ein kleines Plotloch entstanden. Vermutlich wäre mir das erst am Ende aufgefallen und ich hätte es mühsam im Nachhinein in der fertigen Story stopfen müssen. Und sowas hasse ich, ehrlich gesagt. Darum bin ich  meinen Figuren sehr dankbar, dass sie dieses Problem von alleine gelöst haben.

Wie sind eure Erfahrungen?

Habt ihr auch schon Erfahrungen mit diesem Thema gesammelt? Hat sich bei euch auch schon Mal eine Figur selbständig gemacht? Ich gebe zu, da ich relativ plotlos arbeite, bin ich vermutlich für so etwas eher anfällig. Wie läuft das bei euch Durchplanern? Schreibt es mir in die Kommentare!

Eure Christine

Wenn sich eine Figur selbstständig macht…

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