Frei und wild – Ostwind 2.0

Wie ihr eventuell wisst, war gestern unser Hoffest. Den gesamten Tag ging es drunter und drüber und viele Leute liefen um mich herum. Ich wurde geputzt und gestreichelt und von der Chefin gab es eine Menge Kekse. Soweit so gut. Wie ich euch ja bereits das letzte Mal erzählt habe, stand bei einem Programmpunkt im Showprogramm der Titel „Ostwind“. Und für genau diesen Programmpunkt haben die Chefin und ich wochenlang geübt.

Am Samstag war die Generalprobe und ich habe mich riesig gefreut! Immerhin musste ja heute Ostwind endlich mal auftauchen! Ich war total nervös und trippelte von einer Seite auf die andere. Die Chefin war auch nervös und das machte es noch schlimmer! Doch als wir am Eingangstor gewartet haben, bis unsere Musik endlich startete, habe ich mich verzweifelt umgesehen. Nirgendwo war Ostwind zu sehen! Nur zögernd bin ich mit der Chefin in die Halle gegangen. Doch auch dort war nirgendwo ein Ostwind zu sehen! Bei einem Sprung über das Cavaletti zeigte ich dann meinen Unmut: Ich buckelte, wie ich zuvor noch nie gebuckelt hatte! Meine Chefin blieb dabei allerdings trotzdem auf mir sitzen. Wie sie das so ohne alles gemacht hat, frage ich mich aktuell noch immer.

Am Sonntag blieb mir aber dann beinahe die Spucke weg! Auf einem der Programmzettel stand nichts mehr von Ostwind! Da stand nur noch was von Frei und wild?! Und was das aller schlimmste war? Nachdem ich bereits im Programmpunkt „Zirkuslektionen“ gezeigt hatte, was ich so drauf habe, kamen zwei Frauen und haben mir eine weiße Strähne in die Mähne geflochten. Jetzt wusste ich auch endlich, warum die Chefin der Schimmelstute Freya eine Strähne aus dem Schweif abschneiden durfte! Jetzt war ich nicht nur mehr genervt von den Menschen, sondern auch richtig wütend auf die Chefin. Ich hatte mich doch so auf Ostwind gefreut! (Der ist aber auch ein schicker Hengst!)

Irgendwann holte mich die Chefin und führte mich in den Roundpen. Sie war ja von gestern vorgewarnt und wollte mich ein wenig laufen lassen nach dem Aufwärmen. Ehrlich gesagt half das gegen den Frust ein wenig. Wir machten ein paar Übungen aus der Freiarbeit und einige Lektionen der Zirzensik. Dann führte sie mich zur Reithalle. Dort mussten wir noch ein Weile warten und die Chefin jammerte zusammen mit anderen Frauen in ihrem Alter, über ihre Nervosität.

Und dann waren wir dran. Im Gegensatz zu der Generalprobe verhielt ich mich vorbildlich. Ich trabte neben der Chefin her, wendete wenn sie es wollte und führte alle Zirkuslektionen so vor, wie sie es von mir verlangte. Während sie allerdings ihren Helm aufsetzte und aufsprang, hatte ich ein wenig Zeit zu überlegen. Am Abend zuvor hatte ich mich mit ein paar Pferdekollegen über meine Buckelversuche unterhalten und diese hatten mir kräftig Tipps gegeben, wie das in Zukunft besser funktionieren würde. Wir galoppierten, trabten, drehten uns und schließlich sprangen wir wieder über das Cavaletti. Einmal und zweimal und kaum landete ich mit den Vorderhufen auf den Boden sprang ich sofort wieder hoch und buckelte, wie ich es gestern geübt hatte. Doch wieder saß die Chefin da oben und ließ sich nicht abschütteln. Im Gegenteil, sie lächelte dabei nur, ließ mich buckelnd wenden und trieb mich vorwärts!

Den dritten Sprung hatte sie übrigens nicht mehr von mir verlangt. Ob sie es vergessen hatte oder sich nicht sicher war, ob ich sie nicht vielleicht doch herunter bekommen könnte, weiß ich nicht. Am Ende kamen wir passend mit der Musik in die Hallenmitte und der Applaus war groß. Schließlich sprang die Chefin sogar ab und ließ mich nochmal das Kompliment zeigen. Das brachte gleich noch mehr Applaus.

Der restliche Tag verlief ohne große Ereignisse. Die Quadrille lief ich wie immer brav mit und tat das, was von mir verlangt wurde. Zwei oder drei Pferdekollegen übernahmen hier das wilde herumhüpfen für mich. Alles in allem war der Tag großartig. Ich habe eine Menge Kekse bekommen, wurde bejubelt, durfte mit Baby-Chef spielen, wurde von vielen Kindern gelobt und gestreichelt und hatte eine Menge Spaß. Ganz ohne Ostwind.

Und mal ganz unter uns: Eigentlich gebe ich doch einen viel schickeren Ostwind ab als der aus dem Film, oder?

 

Eure Dimmalimm

Frei und wild – Ostwind 2.0

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